Wir haben im letzten Post bereits geklärt, was passiert, wenn wir eine Website aufrufen: Der Browser bekommt die URL, findet über DNS den richtigen Server und fordert dort die benötigten Inhalte an. Danach verarbeitet der Browser diese und baut daraus die Website.
Aber warum geht das bei manchen Websites fast sofort und bei anderen dauert es mehrere Sekunden, bis endlich alles angezeigt wird?
Dafür kann es mehrere Gründe geben. Die wichtigsten schauen wir uns heute Schritt für Schritt an.

1. Bilder können ganz schön groß sein
Einer der häufigsten Gründe für langsame Websites sind große Bilder.
Ein Bild, das auf dem Bildschirm vielleicht nur 500 × 500 Pixel groß dargestellt wird, kann auf dem Server trotzdem mehrere Megabyte groß sein. Der Browser muss diese Daten erst vom Server herunterladen, bevor er das Bild anzeigen kann.
Gerade auf dem Smartphone macht das einen großen Unterschied. Wenn jemand unterwegs mit einer langsameren mobilen Verbindung auf eine Website zugreift, dauert der Download entsprechend länger.
Deshalb werden Bilder für Websites normalerweise verkleinert und komprimiert. Ein gutes Bild muss nicht mehrere Megabyte groß sein, wenn es auf der Website nur in einer kleinen Größe angezeigt wird.
Auch das Dateiformat spielt eine Rolle. Moderne Formate wie WebP oder AVIF können Bilder häufig deutlich kleiner speichern als ältere Formate wie PNG oder JPEG, ohne dass man auf dem Bildschirm einen großen Qualitätsunterschied sieht.
2. Der Browser muss mehr als nur HTML laden
Eine Website besteht, wie wir im letzten Artikel gesehen haben, nicht nur aus HTML. Häufig kommen CSS, JavaScript, Bilder, Schriftarten und weitere Dateien dazu.
Je mehr davon geladen werden müssen, desto mehr Arbeit hat der Browser.
Ein einfaches Beispiel: Eine Website könnte aus einer HTML-Datei, einer CSS-Datei, zwei JavaScript-Dateien und fünf Bildern bestehen. Eine andere Website könnte dagegen aus mehreren hundert einzelnen Dateien bestehen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die zweite Website langsam sein muss. Moderne Browser können viele Dateien gleichzeitig laden und es gibt noch zahlreiche andere Faktoren. Trotzdem gilt grundsätzlich: Je mehr Inhalte übertragen und verarbeitet werden müssen, desto mehr kann sich die Ladezeit erhöhen.
Besonders JavaScript kann dabei eine Rolle spielen. JavaScript muss nicht nur heruntergeladen werden, sondern kann anschließend auch vom Browser ausgeführt werden. Wenn eine Website sehr viel JavaScript verwendet, kann das vor allem auf älteren oder schwächeren Geräten spürbar werden.
3. Nicht alles kommt vom eigenen Server
Eine Website kann außerdem Inhalte von anderen Servern laden.
Zum Beispiel kann eine Website eine Karte von Google Maps, ein YouTube-Video, externe Schriftarten oder andere Dienste einbinden. Der Browser muss dann nicht nur unseren eigenen Server erreichen, sondern auch diese zusätzlichen Dienste kontaktieren.
Das kann die Ladezeit verlängern, insbesondere wenn viele externe Dienste eingebunden sind oder einer dieser Dienste langsam antwortet.
Dabei geht es nicht nur um Geschwindigkeit. Wenn eine Website externe Dienste einbindet, können je nach Dienst und Art der Einbindung auch Datenschutzfragen eine Rolle spielen. Dazu werden wir uns in einem späteren Artikel noch genauer anschauen.
4. Auch der Server selbst spielt eine Rolle
Bisher haben wir vor allem darüber gesprochen, was nach dem Abruf der Website passiert. Aber auch der Server kann Einfluss darauf haben, wie schnell eine Seite erscheint.
Wenn der Browser eine Seite anfordert, muss der Server darauf reagieren. Bei einer einfachen Website kann er beispielsweise direkt eine vorhandene HTML-Datei zurückgeben.
Bei einer komplexeren Website muss der Server unter Umständen erst Daten aus einer Datenbank holen, Berechnungen durchführen oder die angeforderte Seite zusammenbauen.
Je nachdem, wie die Website aufgebaut ist und wie stark der Server ausgelastet ist, kann das unterschiedlich lange dauern.
Auch die Entfernung zwischen Nutzer und Server kann eine Rolle spielen. Ein Server in Deutschland ist für einen Nutzer in Deutschland grundsätzlich schneller erreichbar als ein Server auf einem anderen Kontinent. In der Praxis wird dieser Unterschied allerdings durch verschiedene Technologien wie Caches und Content Delivery Networks teilweise ausgeglichen.
5. Warum eine Website manchmal trotzdem schnell wirkt
Eine interessante Sache dabei ist: Eine Website muss nicht erst vollständig geladen sein, bevor wir etwas sehen können.
Der Browser kann beispielsweise schon den Text und die Grundstruktur anzeigen, während Bilder oder andere Inhalte noch geladen werden.
Deshalb kann eine Website bereits benutzbar aussehen, obwohl im Hintergrund noch etwas passiert.
Außerdem speichert der Browser bestimmte Dateien im Cache. Wenn wir eine Website bereits besucht haben, müssen manche Inhalte beim nächsten Besuch nicht noch einmal vollständig vom Server heruntergeladen werden.
Deshalb kann dieselbe Website beim ersten Aufruf deutlich länger brauchen als beim zweiten.
Fazit
Wenn eine Website langsam lädt, gibt es also nicht den einen Grund.
Große Bilder, viele Dateien, JavaScript, externe Dienste, aufwendige Serverprozesse oder ein ungünstiger Aufbau können alle dazu beitragen, dass eine Website länger braucht.
Umgekehrt bedeutet eine schnelle Website auch nicht automatisch, dass Ihr Server besonders leistungsstark ist. Oft ist entscheidend, wie viele Daten übertragen werden müssen und was der Browser anschließend damit machen muss.
Eine Website besteht schließlich aus vielen einzelnen Bausteinen. Und jeder dieser Bausteine kann einen kleinen Teil zur Ladezeit beitragen.
Genau deshalb lohnt es sich, nicht nur darauf zu schauen, ob eine Website funktioniert, sondern auch darauf, wie sie funktioniert.